Informationen zu medizinischem Cannabis
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Das Endocannabinoid-System: Überblick und
Bedeutung
Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein essenzielles neuroregulatorisches Netzwerk, das massgeblich zur Aufrechterhaltung der Homöostase in zahlreichen physiologischen Prozessen beiträgt. Dazu gehören Schmerzempfindung, Schlaf, Appetit, Immunreaktionen sowie die Regulierung der Stimmung. Das ECS wurde Anfang der 1990er Jahre entdeckt und besteht aus drei zentralen Komponenten: den endogenen Liganden, den sogenannten Endocannabinoiden (wie Anandamid [AEA] und 2-Arachidonoylglycerol [2-AG]), den Cannabinoidrezeptoren (CB1 und CB2) sowie den Enzymen, die für deren Synthese und Abbau verantwortlich sind – darunter die Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH) und die Monoacylglycerol-Lipase (MAGL)1-3. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Neurotransmittern werden Endocannabinoide als Reaktion auf neuronale Aktivität „bei Bedarf“ aus Phospholipidvorläufern synthetisiert. Sie entstehen in den postsynaptischen Neuronen und wirken als retrograde Botenstoffe, indem sie zur präsynaptischen Membran diffundieren und dort an Cannabinoidrezeptoren binden. Diese Bindung reguliert den präsynaptischen Calciumspiegel und führt zu einer verminderten Freisetzung von Neurotransmittern. Dieser Rückkopplungsmechanismus reguliert die Freisetzung von Neurotransmittern und sorgt für ein Gleichgewicht zwischen erregenden (glutamatergen) und hemmenden (GABA-ergen) Signalen. Auf diese Weise sorgt das ECS für ein fein abgestimmtes Gleichgewicht im Nervensystem und verhindert Übererregung oder Hemmung 1-4.
CB1-Rezeptoren kommen vor allem im Zentralnervensystem vor, sind aber auch in Organen wie der Leber, im Fettgewebe und in der Haut zu finden. CB2-Rezeptoren hingegen werden vorwiegend in peripheren Immunzellen und in geringerem Masse in Neuronen exprimiert, und spielen dadurch eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Immunfunktionen, Entzündungsreaktionen und Neuroprotektion3,5. Die weitreichende regulatorische Rolle des ECS unterstreicht seine Bedeutung für Gesundheit und Krankheit. Der Endocannabinoid-Tonus beschreibt die Gesamtfunktion des ECS, einschliesslich der Aktivität oder Dichte der Cannabinoid-Rezeptoren, der Endocannabinoid-Spiegel und der Enzyme, die für den Endocannabinoid-Stoffwechsel verantwortlich sind. Eine Dysregulation des Endocannabinoid-Tonus, auch beschrieben als klinischer Endocannabinoid-Mangel (CED), wurde mit Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, Migräne, Fibromyalgie und Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) in Verbindung gebracht1,6-12. Phytocannabinoide: Modulatoren des ESCEs gibt auch externe Substanzen, wie Cannabis, die das ECS aktivieren. Phytocannabinoide die in der Cannabispflanze vorkommen zum Beispiel, interagieren mit dem ECS und bieten vielfältige therapeutische Möglichkeiten. Von den über 100 identifizierten Phytocannabinoiden sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) die am besten untersuchten3. THC übt seine Wirkung auf das ECS in erster Linie durch Bindung an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 aus. THC wirkt als partieller Agonist an diesen Rezeptoren und moduliert verschiedene physiologische Prozesse wie Schmerz, Entzündung, Stimmung und Appetit13,14. Im Gegensatz zu THC hat CBD keine psychoaktiven Wirkungen, ihm wird jedoch ein breites Spektrum an biologischen und therapeutischen Aktivitäten zugeschrieben. Obwohl CBD nur eine geringe Bindungsaffinität für CB1- und CB2-Rezeptoren aufweist, kann es deren Aktivität indirekt modulieren, beispielsweise durch nicht-kompetitive Antagonisierung des CB1-Rezeptors15,16. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass CBD die Aufnahme und den enzymatischen Abbau von AEA hemmt, was zu einem Anstieg der AEA-Spiegel führt. Dadurch wird die Signalübertragung im ECS verstärkt, insbesondere an CB1-, CB2- und TRPV1-Rezeptoren. Darüber hinaus haben präklinische Studien gezeigt, dass CBD auch mit anderen Rezeptoren interagiert, darunter 5-HT1A-Serotonin-, Opioid- und D2-Dopaminrezeptoren. Diese Interaktionen tragen vermutlich wesentlich zu den beobachteten Effekten von CBD bei, wie der Modulation von Entzündungsprozessen, der Schmerzwahrnehmung und seiner anxiolytischen Wirkung1,17-19. Der Entourage-EffektObwohl weierthin angenommen wird, dass CBD die psychoaktive Wirkung von THC abschwächt, haben neuere Studien diese Annahme in Frage gestellt und sogar gezeigt, dass niedrige Dosen von CBD die psychoaktive Wirkung von THC verstärken können20-22. Solche Wechselwirkungen deuten jedoch auch darauf hin, dass CBD den therapeutischen Nutzen von THC synergetisch verstärken kann23. Dies wurde in einer klinischen Studie gezeigt, in der eine THC-CBD-Kombination (Sativex) Krebsschmerzen im Vergleich zu THC oder Placebo allein deutlich linderte24 und unterstreicht damit den „Entourage-Effekt“. Dieses Phänomen beschreibt ein Zusammenwirken von Cannabiswirkstoffen, das die therapeutische Gesamtwirkung verstärkt und einen ausgewogeneren und umfassenderen Nutzen bietet als isolierte Cannabinoide allein. Während THC und CBD oft als die primären Wirkstoffe in Cannabis hervorgehoben werden, bezieht sich der Entourage-Effekt auch auf die synergistische Interaktion zwischen anderen Cannabinoiden, Terpenen und Flavonoiden in der Pflanze13,25-27. Die biphasische Wirkung von CannabinoidenDie Dosierung von Cannabis ist aufgrund der einzigartigen Physiologie und der Komplexität des ECS sehr individuell. Die Wirkung folgt einem biphasischen Muster, bei dem niedrige und hohe Dosen gegensätzliche Effekte haben können. Klinische Studien unterstreichen die Notwendigkeit, eine optimale Dosis zu finden, die therapeutische Vorteile bietet, da eine Überschreitung dieser Dosis die Wirksamkeit verringern oder unerwünschte Wirkungen hervorrufen kann28-32. Referenzen
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Verabreichungswege von medizinischem
Cannabis1–8
Medizinisches Cannabis kann auf verschiedene Weisen verabreicht werden, wobei jede Route einzigartige pharmakokinetische Eigenschaften besitzt, die seine therapeutische Wirkung beeinflussen. Die gängigsten Methoden sind die orale, sublinguale/oromukosale und inhalative (Rauchen oder Verdampfen) Verabreichung, die jeweils für spezifische Bedürfnisse und Umstände geeignet sind. Die orale Einnahme, wie beispielsweise Öle, angereicherte Tees oder essbare Produkte, erfolgt über den Magen-Darm-Trakt. Dies führt zu einem verzögerten Wirkungseintritt, jedoch zu einer länger anhaltenden Wirkung. Dieser Verabreichungsweg unterliegt dem First-Pass-Metabolismus in der Leber, bei dem Δ9-THC in das stärkere 11-OH-THC umgewandelt wird. Obwohl diese Methode wirksam ist, kann die genaue Dosierung herausfordernd sein. Die sublinguale oder oromukosale Verabreichung hingegen ermöglicht eine genauere Dosierung und umgeht den hepatischen First-Pass-Metabolismus, was zu einem schnelleren Wirkungseintritt und einer verlängerten Wirkungsdauer führt. Da Cannabinoide lipophil und schlecht wasserlöslich sind, werden sie am besten in Formulierungen mit Fetten, Ölen oder Ethanol absorbiert. Die Inhalation bietet die schnellste Symptomlinderung, hat jedoch eine kürzere Wirkungsdauer, weshalb sie häufig für akute Symptome verwendet wird. Um das Risiko für Atemwegserkrankungen zu minimieren, sollte die Inhalation auf das Verdampfen von getrocknetem Cannabis beschränkt werden. Der geeignete Verabreichungsweg hängt von der Indikation, der Art der Symptome und davon ab, ob eine Linderung bei akuten oder chronischen Beschwerden erforderlich ist. Verabreichungsmethoden
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Mögliche unerwünschte Wirkungen von THC 1-5 Tetrahydrocannabinol (THC), die psychoaktive Komponente von Cannabis, kann eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann die wiederholte Einnahme von THC zu einer Verringerung der Nebenwirkungen führen. Randomisierte kontrollierte Studien, in denen THC über mehrere Jahre täglich verabreicht wurde, zeigen in der Regel eine geringe bis mässige Toxizität und eine geringe Inzidenz schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. Es wird ausserdem empfohlen, die tägliche THC-Dosis auf maximal 40 mg zu beschränken, da eine höhere Dosis zu Nebenwirkungen führen kann, die keinen weiteren therapeutischen Vorteil bieten, und darüber hinaus das Risiko für die Entwicklung einer Toleranz besteht. Mögliche unerwünschte Wirkungen von CBD 6,7 Cannabidiol (CBD), ein weiterer Hauptbestandteil von Cannabis, ist für seine therapeutischen Eigenschaften ohne die psychoaktiven Wirkungen von THC bekannt. Die Nebenwirkungen sind in der Regel mild und treten selten auf: CBD und Lebertoxizität8,9 Jüngste Studien, in denen die Verwendung von Cannabidiol (CBD) in hohen Dosen (>20mg/kg/Tag) untersucht wurde, haben aufgrund der beobachteten Erhöhungen der Leberenzyme Bedenken hinsichtlich der Sicherheit aufgeworfen. Es gibt nur wenige Studien über Leberparameteranomalien während der Therapie mit niedrigeren CBD-Dosen oder mit handelsüblichen, rezeptfreien CBD-Produkten. Bei Dosierungen zwischen 200 und 400 mg täglich wurde gelegentlich über leichte bismässige Erhöhungen der Serumaminotransferasen berichtet, doch wurden keine Fälle von klinisch sichtbaren Leberschäden gemeldet. Bei der Bewertung von Fällen von Leberschäden bei Personen, die rezeptfreie CBD-Präparate verwenden, muss auch die mögliche Rolle von Verunreinigungen in CBD-Produkten oder die gleichzeitge Einnahme anderer pflanzlicher und diätetscher Präparate berücksichtigt werden. In einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Lo et al. wurde der Zusammenhang zwischen CBD-Konsum, erhöhten Leberenzymwerten und drogeninduzierten Leberschäden (Drug-Induced Liver Injury, DILI) auf seine klinische Bedeutung hin untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass CBD im Vergleich zu Placebo mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer akuten Leberenzymerhöhung und DILI verbunden ist (Odds Ratio für Leberenzymerhöhung = 5,85; Odds Ratio für DILI = 4,82). Zu den Risikofaktoren für Lebertoxizität gehören hochdosiertes CBD (≥1000 mg/Tag oder ≥20 mg/kg/Tag) und die gleichzeitige Einnahme von Antiepileptika. Es wurden jedoch keine Fälle von schwerer DILI gemeldet, und es gab keine Fälle bei Erwachsenen, die CBD-Dosen unter 300 mg/Tag einnahmen. Dies ist ein wichtiges Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der medizinischen CBD-Konsumenten in diesen von < 300mg/Tag Dosierungsbereich fällt. In Anbetracht der derzeitigen Erkenntnisse erfüllen CBD-assoziierte Erhöhungen der Leberenzyme und DILI die Kriterien für häufige unerwünschte ArzneimiƩelwirkungen. Daher wird Ärzten empfohlen, bei Patienten, die CBD einnehmen, auf Anzeichen erhöhter Leberenzyme und Leberfunktionsstörungen zu achten, insbesondere bei Patienten mit Risikofaktoren für Leberfunktionsstörungen, bei Patienten, die CBD in mitlleren bis hohen Dosen (>300 mg/Tag) einnehmen, oder bei Patienten, die CBD zusammen mit Antiepileptika einnehmen. In diesen Fällen wird empfohlen, die Serumtransaminasen und den Gesamtbilirubinspiegel zu Beginn sowie ein, drei und sechs Monate nach Beginn der CBD-Therapie zu bestimmen. Basierend auf der Literatur ist es daher unwahrscheinlich, dass niedrige Dosen von CBD, wie sie zum Beispiel in unseren Protokollen empfohlen werden (maximal 40 mg/Tag), ein Risiko für Lebertoxizität darstellen. Referenzen
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Medizinisches Cannabis wird in der klinischen Praxis für verschiedene Erkrankungen eingesetzt, aber die möglichen Kontraindikationen und Risikofaktoren müssen sorgfältig berücksichtigt werden. Eine enge Abstimmung mit der behandelnden medizinischen Fachperson ist essenziell, um eine sichere Behandlung zu gewährleisten. Allergien und Überempfindlichkeit: Eine absolute Kontraindikation für medizinische Cannabispräparate ist eine Allergie oder Überempfindlichkeit gegen Cannabis oder seine Bestandteile, wie THC und CBD, einschliesslich herstellungsbedingter Hilfsstoffe1. Junge Erwachsene unter 25 Jahren: Der Einsatz von THC bei Personen unter 25 Jahren ist kontraindiziert. Hohe THC-Dosen und regelmässiger Gebrauch erhöhen das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen, soziale Funktionsstörungen, Angstzustände und Abhängigkeit. Ein früher Konsumbeginn ist zudem mit einem höheren Risiko für psychotische Symptome und eine schlechtere Prognose bei Schizophrenie oder bipolarer Störung verbunden1,3. Schwangerschaft und Stillzeit: Schwangeren und stillenden Personen wird von der Einnahme abgeraten, da THC plazentagängig ist und in die Muttermilch übergeht. Dies könnte die Entwicklung des Fötus oder des Säuglings beeinträchtigen und zu möglichen Langzeiteffekten führen2-4. Psychische Erkrankungen: Bei Personen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Panikstörungen oder Schizophrenie sollten THC-haltige Cannabisprodukte nur mit grösster Vorsicht oder gar nicht eingesetzt werden, da THC diese Erkrankungen verschlimmern kann. Bei genetischer Veranlagung oder einer Vorgeschichte von Psychosen besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten psychotischer Symptome, weshalb der Konsum in solchen Fällen strikt vermieden werden sollte1,3,5. Kardiovaskuläre Erkrankungen: Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen sollten medizinisches Cannabis ebenfalls mit Vorsicht verwenden, da es den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen kann, was bei bestehenden Herzproblemen zu Komplikationen führen kann. Daher ist es auch wichtig, potenzielle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System zu berücksichtigen1,3,6,7. Atemwegserkrankungen: Das Rauchen von Cannabis setzt schädliche Chemikalien wie Kohlenmonoxid, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Karzinogene frei. Generell, insbesondere aber bei Atemwegserkrankungen, wird empfohlen, Cannabis in Form von oralen Präparaten einzunehmen oder Cannabisblüten mithilfe eines medizinischen Verdampfers zu vaporisieren 1,3
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Im medizinischen Alltag ist es von essenzieller Bedeutung, die potenziellen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Substanzen zu verstehen, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Behandlungen zu gewährleisten. THC und CBD werden, ebenso wie viele andere Medikamente, über das Cytochrom-P450-Enzymsystem metabolisiert. Die Verstoffwechselung von THC in der Leber findet hauptsächlich durch die Enzyme CYP2C9 und CYP3A4 statt. CBD wird hauptsächlich durch CYP3A4 und CYP2C19, zusätzlich aber auch über CYP2C9 sowie über die Phase-II-Enzyme UGT1A9 und UGT2B7 verstoffwechselt. Pharmakokinetische Wechselwirkungen können entstehen, wenn Phytocannabinoide diese Enzyme hemmen oder induzieren und so den Abbau gleichzeitig verabreichter Medikamente beeinflussen. Darüber hinaus können pharmakodynamische Interaktionen zwischen Phytocannabinoiden und anderen zentralnervös dämpfenden Substanzen, wie Benzodiazepinen, Opioiden oder Alkohol, auftreten, die durch eine Potenzierung ihrer sedierenden Eigenschaften gekennzeichnet sind. Obwohl Cannabinoide den Medikamentenstoffwechsel beeinflussen können, führt ihre Kombination mit anderen Arzneimitteln laut Studien und einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht notwendigerweise zu einem erhöhten Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen. Die Bedeutung dieser Wechselwirkungen hängt oft von der Dosierung der Cannabinoide und des betreffenden Medikaments ab. Insbesondere bei hohen Dosen können CBD und THC die Aktivität dieser wichtigen Enzyme modulieren, was zu klinisch relevanten Wechselwirkungen führen kann. Entsprechende klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen treten laut Literatur aber wahrscheinlich erst bei THC > 30 mg/Tag und bei CBD > 300 mg/Tag auf. Daher ist eine sorgfältige Überwachung und gegebenenfalls Dosisanpassung bei Patienten, die Cannabinoid-basierte Therapien erhalten, unerlässlich, um optimale Behandlungsergebnisse zu erzielen und gleichzeitig das Risiko unerwünschter Wirkungen zu minimieren. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über mögliche Arzneimittelinteraktionen auf der Grundlage des derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstands und der erwarteten pharmakodynamischen Wechselwirkungen.
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Cannabis-Toleranz, Abhängigkeit und Sucht:
Implikationen für die medizinische
Cannabistherapie
Obwohl Cannabis im Vergleich zu beispielsweise Opioiden und Benzodiazepinen ein günstiges Sicherheitsprofil aufweist, kann eine langfristige Anwendung zu Toleranz, Abhängigkeit und in einigen Fällen zu einer Suchtentwicklung führen. Ein Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen ist entscheidend, um die medizinische Cannabistherapie zu optimieren und eine anhaltende Wirksamkeit zu gewährleisten. Mechanismen der Toleranz in der medizinischen CannabistherapieToleranz entsteht, wenn wiederholte THC-Exposition zu einer verminderten Wirkung führt, wodurch oft eine Dosiserhöhung erforderlich wird. THC bindet an CB1-Rezeptoren im Gehirn und imitiert das endogene Cannabinoid Anandamid. Bei langfristiger Anwendung kommt es zur Desensibilisierung (verringerte Rezeptorreaktivität) und Herunterregulierung (verringerte Rezeptordichte) der CB1-Rezeptoren, was mit der Zeit die THC-induzierte Signalübertragung reduziert1,2.
Bildgebende Studien mit PET-Scans zeigen, dass chronische Cannabiskonsumenten bis zu 20 % weniger CB1-Rezeptoren in wichtigen Gehirnregionen haben3. Allerdings normalisiert sich die Rezeptordichte nach einer Abstinenzphase wieder. Bemerkenswert ist, dass sich die Toleranz gegenüber den psychoaktiven Effekten von THC schneller entwickelt als die gegenüber seinen analgetischen Effekten. Das bedeutet, dass die schmerzlindernde Wirkung stabil bleiben kann, auch wenn andere Effekte nachlassen4,5. Beispielsweise hat sich Nabiximols (THC:CBD-Spray) bei Patienten mit Multipler Sklerose und Krebsschmerzen als langfristig wirksam erwiesen, ohne dass eine Dosissteigerung erforderlich war6,7. Unterschiede zwischen Toleranz, Abhängigkeit und Cannabiskonsumstörung (CUD)Obwohl Toleranz, Abhängigkeit und Sucht oft verwechselt werden, ist es wichtig, sie voneinander zu unterscheiden, um die therapeutischen Strategien anzupassen und die mit dem langfristigen Konsum von medizinischem Cannabis verbundenen Risiken zu minimieren. Obwohl Toleranz, Abhängigkeit und Sucht oft gemeinsam diskutiert werden, handelt es sich um unterschiedliche physiologische und psychologische Prozesse. Toleranz bezeichnet die Anpassung des Körpers an eine Substanz, sodass höhere Dosen erforderlich sind, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Abhängigkeit tritt auf, wenn der Körper sich physiologisch an eine Substanz gewöhnt und deren Absetzen Entzugserscheinungen verursacht. Sucht ist gekennzeichnet durch zwanghaften Konsum trotz negativer Konsequenzen. Das DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage) hat Cannabisabhängigkeit und -sucht unter dem Begriff CUD zusammengefasst, einer Störung mit einem Schweregrad von leicht bis schwer9. Laut einer 2021 veröffentlichten Studie entwickeln etwa 9 % der Cannabis-Freizeitkonsumenten eine CUD, eine niedrigere Rate im Vergleich zu Alkohol (23 %) und Tabak (68 %)10. Eine spätere Untersuchung stellte zudem fest, dass die Prävalenz mittelschwerer bis schwerer Cannabiskonsumstörungen bei nichtmedizinischen Konsumenten höher war als bei medizinischen Konsumenten11. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass beim medizinischen Cannabiskonsum zwar Toleranz und eine leichte Abhängigkeit auftreten können, die Entwicklung zur Sucht jedoch relativ selten ist. Wichtig ist auch der Hinweis, dass Cannabis eine hohe Sicherheitsspanne aufweist und aufgrund des Fehlens von CB1-Rezeptoren in den Atmungszentren des Hirnstamms kein tödliches Überdosierungsrisiko bekannt ist12,13. Umgang mit Cannabis-ToleranzDie Herabregulierung des CB1-Rezeptors ist bei Abstinenz reversibel, ähnlich wie ein Dimmerschalter, der nach längerem Konsum zurückgesetzt wird. Studien zeigen, dass sich die CB1-Rezeptorverfügbarkeit innerhalb von zwei bis vier Wochen nach dem Absetzen normalisieren kann, wobei erste Erholungsprozesse bereits nach achtundvierzig Stunden erkennbar sind14. Hirvonen et al. (2012) wiesen nach, dass sich die CB1-Rezeptorwerte bei chronischen Cannabiskonsumenten innerhalb von dreizehn bis zweiunddreissig Tagen nach der Abstinenz zu erholen beginnen3. Darüber hinaus beobachteten Spindle et al. (2021), dass sich die Herabregulierung der CB1-Rezeptoren bei Männern zwar schnell umkehrte, bei Frauen jedoch in einigen Hirnregionen länger anhielt, was auf mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Mechanismen der Cannabistoleranz hindeutet15. Strukturierte Toleranzpausen (z. B. kurze Abstinenzphasen) könnten also dazu beitragen, die Rezeptorsensitivität wiederherzustellen und den therapeutischen Nutzen ohne unnötige Dosiseskalation zu erhalten. Merkmale des CannabisentzugsCannabisentzug ist ein gut dokumentierter Zustand, der etwa die Hälfte der regelmäßigen oder abhängigen Konsumenten betrifft, nachdem sie den Konsum von THC-haltigen Cannabisprodukten abrupt eingestellt oder deutlich reduziert haben. Obwohl die Entzugssymptome nicht lebensbedrohlich sind, haben sie sowohl psychologische als auch physiologische Auswirkungen. Sie entstehen aufgrund der Erholung der CB1-Rezeptoren und des Ungleichgewichts der Neurotransmitter nach Beendigung des Cannabiskonsums. Die Symptome erreichen im Allgemeinen zwischen zwei und sechs Tagen nach dem Aufhören ihren Höhepunkt und klingen in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Zu den häufigsten Erscheinungen gehören Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Schlafstörungen (wie Schlaflosigkeit und lebhafte Träume), verminderter Appetit, leichte Übelkeit, Unruhe und Konzentrationsschwierigkeitenr16. Vorbeugung und Behandlung einer CUDForschungsergebnisse deuten darauf hin, dass hochpotente Cannabisformulierungen das Risiko einer Abhängigkeit erhöhen können. Eine 2015 veröffentlichte Studie ergab, dass die zunehmende Verfügbarkeit von hochpotentem Cannabis mit einem Anstieg der Behandlungsnachfrage wegen Cannabisabhängigkeit korreliert, was auf einen Zusammenhang zwischen hochkonzentrierten THC-Produkten und dem Schweregrad der Abhängigkeit hindeutet17. Darüber hinaus gehen einige Studien davon aus, dass Cannabidiol (CBD) die Wirkungen von THC durch Interaktionen mit CB1-Rezeptoren modulieren kann und dass ein ausgewogenes THC:CBD-Verhältnis möglicherweise die Toleranzentwicklung abschwächen könnte18,19. Dies deckt sich mit den Leitlinien für den risikoärmeren Cannabiskonsum (LRCUG), in denen empfohlen wird, THC-arme oder ausgewogene THC:CBD-Formulierungen zu verwenden20. Obwohl es paradox erscheinen mag, Cannabinoide zur Behandlung der CUD einzusetzen, zeigen Studien vielversprechende Ergebnisse. Dronabinol lindert nachweislich dosisabhängig Entzugssymptome 21,22, während Nabiximols (Sativex) den Cannabiskonsum und das Verlangen nach Cannabis bei minimaler psychoaktiver Wirkung und geringem Missbrauchspotenzial wirksam reduziert 23-25. CBD scheint besonders vielversprechend zu sein, wenn es darum geht, der verstärkenden Wirkung von THC entgegenzuwirken, stressbedingte Rückfälle zu verringern und suchtbedingte Neuroadaptionen zu modulieren26,27. Im Gegensatz zu herkömmlichen Behandlungen wie Antidepressiva oder Antipsychotika setzen cannabinoidbasierte Therapien direkt an den neurobiologischen Prozessen an, die an der Cannabisabhängigkeit beteiligt sind. Sie wirken als Modulatoren des Endocannabinoidsystems und tragen dazu bei, das Verlangen, die Entzugssymptome und den Cannabiskonsum zu verringern, ohne die Abhängigkeit zu verstärken. Darüber hinaus sind sie gut verträglich, haben nur minimale Nebenwirkungen und eine hohe Verweildauer der Patienten, was sie zu einer praktikablen Option für die langfristige Behandlung der CUD macht FazitDas Verständnis der Toleranzmechanismen und die Umsetzung von Strategien wie Toleranzpausen und ausgewogene Cannabinoidformulierungen können die medizinische Cannabistherapie optimieren und gleichzeitig die Abhängigkeitsrisiken minimieren. Ein Artikel in The Lancet verglich die Schädlichkeit und Abhängigkeitsgefahr von 20 Substanzen anhand einer Skala von null bis drei für körperliche Abhängigkeit, psychische Abhängigkeit und Genuss, um einen Durchschnittswert für die Abhängigkeit zu ermitteln. Ausgewählte Ergebnisse zu medizinisch verwendeten Substanzen sind in der folgenden Tabelle dargestellt (Nutt et al. 2007). Um die Cannabis Use Disorder (CUD) besser einordnen zu können, hilft dieser Vergleich bei der relativen Bewertung des Abhängigkeitspotenzials medizinisch genutzter Substanzen.
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Da Cannabis in vielen Ländern unterschiedliche gesetzliche Regelungen hat, sollten Reisende sicherstellen, dass ihr Reiseziel medizinisches Cannabis erlaubt und welche Vorschriften dort gelten. Im Schengen-Raum ist es möglich, mit Cannabisarzneimitteln zu reisen, wenn das Formular für eine Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln im Rahmen einer ärztlichen Behandlung (Artikel 75 des Schengener Durchführungsabkommens) vorliegt, das gemeinsam von Arzt und Apotheker ausgefüllt werden muss. |
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THC-haltige Produkte können zu illegalen THC-Werten im Blut führen. In der Schweiz gilt eine Nulltoleranzgrenze für THC im Blut (1,5 µg/L). Auch Personen, die Cannabis auf ärztliche Verordnung einnehmen, können als ungeeignet zum Führen von Motorfahrzeugen eingestuft werden. In solchen Fällen muss die Fahreignung überprüft werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrem kantonalen Strassenverkehrsamt über die Möglichkeiten einer ärztlichen Fahreignungsabklärung. Ärztinnen und Ärzte, die THC-haltige Medikamente verschreiben, sollten ihre Patientinnen und Patienten über die möglichen Risiken für die Fahrtüchtigkeit und Fahreignung aufklären. Weitere Infos unter: |
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Meldesystem Cannabisarzneimittel Seit dem 1. August 2022 können Ärztinnen und Ärzte ohne Ausnahmebewilligung des BAG Cannabisarzneimittel verschreiben. MeCanna ist eine Datensammlung, zu deren Meldung die Ärzteschaft verpflichtet ist. Betroffen sind Behandlungen, bei denen nicht zugelassene und zugelassene, aber "off-label" verschriebene Cannabisarzneimittel mit einem Gesamt-THC-Gehalt von mindestens 1% verwendet werden. Für Arzneimittel, die ausschließlich CBD (Cannabidiol) oder Cannabisextrakte mit einem THC-Gehalt von weniger als 1% enthalten, ist keine Meldung notwendig. Die Erhebung wird maximal 7 Jahre lang durchgeführt. Sie dient als Direkter Link zum Meldesystem MeCanna Melden Sie sich mit Ihrem HIN (oder myFMH) Konto an oder registrieren Sie sich einmalig via CH-Login. Anschließend können Sie: MeCanna-Benutzerhandbuch herunterladen |